Nieder mit dem Al Quds-Tag!

Update: Die Termine verschieben sich auf den 11.07.2015.

Am 10. Juli werden sich in Berlin mehr als Tausend – vorrangig islamistische – AntisemitInnen versammeln, um für die Vernichtung Israels zu demonstrieren. Wir rufen dazu auf, sich an der Gegenkundgebung des Berliner Bündnisses gegen den al-Quds-Tag zu beteiligen.

Der al-Quds-Tag – arabisch f. „Jerusalem-Tag“ – bezeichnet einen der größten antisemitischen Massen-Aufmärsche in Deutschland und weltweit. Jerusalem nimmt in der iranischen Staatsdoktrin eine zentrale Stellung ein. Die proklamierte ‚Befreiung‘ Jerusalems steht zum einen sinnbildlich für die angestrebte Auslöschung des jüdischen Staates. Der Bezug auf Jerusalem und die Etablierung des al-Quds-Tages soll zum anderen der Mobilisierung der muslimischen Massen über innerreligiöse Grenzen hinweg gegen ein gemeinsames Feindbild – Israel und USA – dienen. So wird an diesem Tag seit seiner Ausrufung durch den religiösen Führer Ayatollah Khomeini nach der islamistischen Revolution 1979 ein einheitliches muslimisches Kollektiv als Leidensgemeinschaft und Gemeinschaft der Unterdrückten beschworen.

Khomeinis Anspruch, den alQuds-Tag als sogenannten „Revolutionsexport“ in die gesamte Welt zu tragen, um der islamistischen Utopie einer „Weltgemeinschaft der Muslime“ (Umma) näher zu kommen, wurde mit der Etablierung des Aufmarschs u.a. in den USA, Großbritannien und Deutschland zwar vorangetrieben, glücklicherweise jedoch nie dem Anspruch nach erreicht. Dennoch ist dieser Massenaufmarsch, an dem sich seit 36 Jahren weltweit Millionen Personen beteiligen, als globales Phänomen zu verstehen und bleibt nicht auf Iran beschränkt. So marschieren mittlerweile jährlich mehrere tausend Menschen auch in Berlin für die Vernichtung des jüdischen Staates. Anmelder und Hauptorganisator des antisemitischen Massenevents in Deutschland, zu dem bis zu 2500 Teilnehmende erscheinen, ist der Berliner Jürgen Grassmann, Mitglied der Hisbollah-nahen „Quds-AG“ und Vertreter von Occupy sowie diverser NWO Verschwörungstheorien. In seiner Rede zum AlQuds Tag 2013 weist dieser, den antisemitischen Topos der Trennung von Antizionismus und Antisemitismus aufgreifend, einerseits darauf hin, dass bei der Demonstration „auf gar keinen Fall antisemitische Rufe“ geduldet würden und beschwört im selben Moment vor „Boycott Israel“ Plakaten, dass „alle Medien nicht frei sind von der Diktatur des Zionismus“. Unterstützt wird er von den Delmenhorster Brüdern Gürhan und Yavuz Ozuguz, beide Betreiber islamistischer Onlineversände wie ‚Muslim-Markt‘ sowie dem islamistisch ausgerichteten „Islamischen Zentrum Hamburg“ (IZH), das als direktes Bindeglied zum iranischen Regimes fungiert und dessen antiwestliche und antisemitische Propaganda in Deutschland verbreitet. Der antisemitische Massenaufmarsch am al-Quds-Tag ist vor allem wegen seines integrativen Charakters für die antisemitische Ideologie von so großer Bedeutung. So finden sich jährlich am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan die verschiedensten antisemitischen Fraktionen ein, u.a. Hisbollah-Fans, Verschwörungstheoretiker_innen und Neonazis, um gemeinsam die Vernichtung Israels zu fordern.

Ähnliche Forderungen werden nicht selten auch von antiimperialistischen Linken und selbsternannten „Friedensfreunden“ der Montagsmahnwachen, wie dem Compact-Redakteur Jürgen Elsässer vorgebracht. Das Nebeneinander solch verschieden scheinender Gruppierungen mag zunächst wiedersprüchlich wirken, doch der verbindende Kitt aller Akteure ist ihr eliminatorischer Antizionismus, der nur einen Schuldigen als gemeinsames Feindbild für die wahrgenommene Misére des Kapitalismus kennt – den jüdischen Staat und seine Unterstützer_innen. So fungiert der al Quds-Tag nicht nur als Instrument zur Verbreitung einer schiitischen, islamistischen Ideologie, sondern eben auch als Integrationsmittel zur Vereinigung der unterschiedlichsten politischen Strömungen, durch den Fokus auf einen antizionistischen „Befreiungskampf“ und ihren antisemitischen Wahn. Aus diesen Gründen muss der Aufmarsch der Unterstützenden einer Terrororganisation wie der Hisbollah bzw. des totalitären Regimes Iran verunmöglicht werden!

Der Islamismus

Der Begriff des Islamismus findet in den gegenwärtigen öffentlichen Debatten einen immer diffuseren und zugleich inflationären Gebrauch, weshalb wir eine Definition für notwendig halten, um die aus einem antifaschistischen Selbstverständnis sich ergebende Zwangsläufigkeit darzulegen dieser menschenverachtenden Ideologie entgegenzutreten.Islamismus bezeichnet eine Reihe verschiedener ‘revolutionär’-reaktionärer Bewegungen und deren Krisenbewältigungsideologien, mit denen die Moderne, fortschreitender Kapitalismus und der damit einhergehende gesellschaftliche, politische und ökonomische Wandel aufgehalten werden sollen. Diese politischen Bewegungen sind keine geschichtsunabhängige Schattenseite des Islams, sondern genuin modern.1

In widersprüchlicher Dichotomie ist die Propaganda des Islamismus als Reaktion auf die Modernisierung und äußerliche Vergesellschaftung des arabischen Raumes zu deuten; der Antimodernismus als Reaktion darauf ist bedingt durch die Vorstellung sich zwar einige Aspekte der Modernität – moderne Technik etwa – aneignen zu können ohne eine kulturelle Veränderung zuzulassen und weiterhin im theozentrischen Weltbild zu verharren. Die mit Moderinisierungsprozessen einhergehenden kulturellen Veränderungen – etwa die Liberalisierung der Sexualmoral, zunehmender Individualismus, Säkularisierung, die Auflösung traditioneller sozialer Ordnungen – werden als krisenhaft und bedrohlich empfunden und mittels eines manichäischen Denkens2 verarbeitet. Diesem ist zu eigen, dass es weder strukturelle noch innergesellschaftliche Ursachen für Krisenerscheinungen kennt. Vermittels eines Freund-Feind- Schemas werden die als bedrohlich empfundenen Aspekte der Moderne auf einen äußeren Feind projiziert, der als Zersetzer des als authentisch und organisch-gewachsen imaginierten eigenen Kollektivs gebrandmarkt und abgewehrt wird. Gegen diese als wesensfremd betrachteten Einflüsse wird eine islamische Identität veranschlagt, die durch ‚Reinigung‘ von diesen Einflüssen wiederhergestellt werden soll. Im islamistischen Denken sind es wahlweise der Westen, die USA, Israel / die Juden oder als vom Westen korrumpierte ‚Ungläubige‘ der eigenen Gesellschaften, in denen der Hass auf die moderne Gesellschaft kulminiert: Antimodernismus äußert sich im Islamismus vor allem antiwestlich. Dass die Moderne mit dem Westen bebildert wurde, hat seine historischen Wurzeln im Kolonialismus. Der Westen als Chiffre für Modernisierung liefert über islamistische Kreise hinaus ein Erklärungsmodell für die Begleiterscheinungen der kapitalistischen Moderne, die auf einen antagonistischen Dualismus zwischen dem Westen und der beschworenen Gemeinschaft heruntergebrochen werden.

In Anbetracht der Staatsgründung Israels, das damit zum Repräsentanten westlichen Lebens inunmittelbarer Nähe wurde, der unvorhergesehenen und als entwürdigend empfundenen Niederlage im 6-Tage-Krieg und der zunehmend internen Konflikthaftigkeit der islamistischen Strömungen spitzte sich diese antiwestliche Haltung zunehmend antisemitisch zu. Auch wenn große Teile der Bilder und Semantik sich dabei am aus artikulierteren Fundus des westlichen Antisemitismus bedienten, ist die Rede von einem reinen Ideologieimport zu kurz gedacht: Ein Antijudaismus existierte, wenn auch weniger gewaltförmig als in Europa, auch im osmanischen Reich. Und, viel bedeutender, die Ähnlichkeiten islamistischer Gesellschaftsvorstellungen und dem was als Nationalsozialismus Hauptexporteur des Antisemitismus wurde, beginnen nicht erst bei diesem: Beide streben eine Form von Gemeinschaft an, in der Staat und Gesellschaft identisch sind, begreifen sich als ‚Betrogene der Moderne‘ und identifizieren davon ausgehend ‚die Juden‘ nicht nur als Quell des eigenen, sondern des weltweiten Übels.Solange diese weiterhin existieren, sei ein gemeinschaftlich-friedliches Leben nirgendwo auf der Erde möglich.

Die von Islamisten angestrebte Gemeinschaft ist transnational-muslimisch, wobei selbstredend nicht über die blutige Konkurrenz innerhalb des Islamismus um die Umsetzung dieses globalen Anspruches hinweggesehen werden darf. Während der sunnitische Islam sich rückwärtsgewandt im Sinne des Salafismus auf ein vergangenes ‚Goldenes Zeitalter‘ beruft, leugnet die schiitische Glaubensströmung, das ein solches jemals existierte und blickt messianistisch der Ankunft des Imam al-Mahdi entgegen. Neben der fundamentalen Opposition der beiden Strömungen finden sich auch innerhalb dieser weitere Konfliktherde: So erklärten erst kürzlich die sunnitischen Taliban die ebenfalls sunnitischen Anhänger des IS zu ihren Gegnern, die ihrerseits bereits im Kampf mit der saudischen Krone um den Anspruch der wahren salafyyia stehen. Zentral dabei ist der inzwischen zwar wohl bekannte aber ähnlich zerfaserte Begriff des Djihad, der für alle genannten Bewegungen schlußendlich nichts anderes als die Umsetzung der islamistischen Utopie mit terroristischen Mitteln bezeichnet. Was dies in der Praxis heißt, lässt sich an den Gräueltaten des IS ablesen, sollte allerdings nicht vom staatlich institutionalisierten Islamismus des Iran ablenken: Letztlich geht es beiden um die Etablierung, bzw. Aufrechterhaltung und Expansion eines autoritären Zwangskollektivs, das einen totalen Zugriff auf das Individuum ausübt. So lässt auch das iranische Regime Homosexuelle hängen und steinigt Frauen, die dem ihnen aufgezwungenen Rollenbild nicht entsprechen. Mittels eines religiösen Diskurses von der göttlichen Ordnung der Geschlechter wird eine alle Teile der Gesellschaft durchziehende Geschlechtertrennung stabilisiert und Frauen auf einen unterlegenen Status degradiert. So werden Frauen im Iran verurteilt, wenn sie sich gegen ihren gewalttätigen Ehemann wehren. Islamist_innen geht es somit immer auch um die Sicherung patriarchaler Herrschaft.

Sich klar gegen Islamismus zu positionieren muss daher Aufgabe einer jeden emanzipatorisch denkenden Person sein. Das Engagement gegen den al-Quds Tag, als internationaler Exportschlager des Iran kann nur ein Teil davon sein.

Die Islamische Republik auf der Weltbühne

Außenpolitisch konnte der Iran in letzter Zeit einige erschreckende Etappensiege verbuchen: Von einer Politik der politischen und wirtschaftlichen Sanktionen – welche beispielsweise von deutschen Unternehmen schon damals unterlaufen wurden – ist die westliche Politik nun dazu übergegangen, den Iran diplomatisch per Appeasement politisch in ein weltweites Vertragssystem einzubinden.

Dass es weiten Teilen des Westens eigentlich nie wirklich um den Kampf gegen Islamismus ging, wird daran deutlich, dass man den islamistischen Terror des IS nun im Bündnis mit dem islamistischem Iran zu bekämpfen versucht. Und es zeigt sich daran, dass nicht das Bündnis mit freiheitlichen Kräften gesucht wurde, sondern stattdessen Regimes wie Saudi-Arabien hofiert werden – und seit neuestem dem iranische Regime entgegengekommen wird, weil man es als Stabilitätswahrer in der Region schätzt. Der Legitimierung dieser Politik dient auch die vollkommen realitätsferne Zeichnung des seit 2013 amtierenden Präsidenten Rohani als „moderat“ und Träger eines „Politikwechsels“.
Dass die iranische Führung keinen Zentimeter von ihrem antiwestlichen Ressentiment gegenüber den USA und Israel abgewichen ist und dass die iranische Bevölkerung unter Rohani den staatlichen Terror noch stärker zu spüren bekommt, straft diese Rede allerdings Lügen. So sind zwischen Rohanis Amtsantritt im Juli 2013 und Juni 2014 852 Menschen hingerichtet worden, was einen deutlichen Anstieg zum Zeitraum davor ausmacht.

Die vorgebliche Gewaltenteilung, welche die Teilung von Legislative, Exekutive und Judikative im iranischen Regime bezeichnen soll, ist bloßer Schein. Im Iran gilt das Führerprinzip, denn an der Spitze des Regimes steht der Vertreter Gottes: der herrschende Revolutionsführer Ali Chamene’i. Dieser leugnet seit Jahren den Holocaust, bezeichnet Israel als Krebsgeschwür der Region und hat vor einiger Zeit erst einen 9-Punkte-Plan zur Vernichtung des jüdischen Staates auf Twitter gepostet. Der Verfassung gemäß obliegt ihm die Entscheidungsgewalt über die Streitkräfte, er wählt und ernennt die Mitglieder des Wächterrates, den obersten Richter und den Direktor des Medienrates. Er hat die Befugnis den Generalstabschef, das Oberkommando der islamischen Revolutionswächter und den Oberkommandierenden der Polizei und der Armee zu berufen bzw. abzusetzen. Außerdem unterzeichnet er die Ernennung des Präsidenten seiner Wahl oder enthebt diesen seines Amtes. Faktisch besitzt er als geistlicher Führer somit das absolute Machtmonopol und steht über Legislative, Exekutive und Judikative.

Die Macht des Revolutionsführers wird zusätzlich durch die despotischen Institutionen des Wächterrates, des Expertenrates und dem Rat der Erkenntnis der Staatsinteressen zementiert. Lenkt man nun zuletzt den Blick auf die Wahlbefugnisse der einzelnen Institutionen, fällt die diktatorische Verfasstheit des Irans vollends ins Auge. Denn der Wächterrat wählt den Expertenrat und dieser ist für die Wahl des geistlichen Führers zuständig. Der geistige Führer wiederum ernennt den Wächterrat, welcher zusätzlich das Majless, das angebliche Parlament, kontrolliert. Somit entsteht ein unhintergehbarer Zirkel der Macht.

Diesem Regime ermöglicht die veränderte westliche Politik nun eine starke Verhandlungsposition auf dem internationalen Parkett und außerdem einen Ausbau seines Einflusses in der Region. Traditionell unterstützt der Iran hier militärisch agierende antisemitische und islamistische Gruppierungen. Mögen die Beziehungen in letzter Zeit auch abgekühlt sein – am Beispiel der iranischen Unterstützung der sunnitischen Hamas zeigt sich, wie zugunsten des gemeinsamen Feindes Israel und des geteilten Antisemitismus auch über ethnoreligiöse Spaltungen hinaus Bündnisse eingegangen werden. Darüber hinaus wird die vom Libanon aus gegen Israel kämpfende schiitische Hisbollah von jeher durch den Iran finanziell und logistisch unterstützt. Die Hisbollah ist eine libanesische Organisation, dessen Ziele die Errichtung einer islamischen Republik im Libanon nach iranischem Vorbild und die Vernichtung Israels sind. Zu diesen Zwecken bestehen sie aus einer gewählten „Partei”, die auch in der libanesischen Nationalversammlung sitzt und einer Miliz, die die Hegemonie im Süden Libanons inne hat. Die Hisbollah ist eine der bedeutendsten islamistischen Organisationen im Nahen Osten und ist trotz ihrer schiitischen Ausrichtung in weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert.

Die neuere westliche Politik kommt dem Iran allerdings auch in Bezug auf dessen für Israel bedrohliches Atomprogramm entgegen. Sollte auf der Grundlage der Verhandlungen des Irans mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschlands im Frühjahr 2015 ein Abkommen geschlossen werden, dann wäre der Iran weder gezwungen, etwas an der Infrastruktur seines Atomprogramms zu ändern, noch an seinem Raketenprogramm. Die iranische Beteuerung, die Atomkraft nur zivil zu nutzen, darf allerdings keinesfalls täuschen – der Iran will Atomwaffen und wird nicht zögern, sie einzusetzen. Angesichts der seit 1979 stets wiederholten Vernichtungsgebärden gegen Israel sind die Ergebnisse der neuesten internationalen Verhandlungen für den jüdischen Staat mehr als bedrohlich.

Warum Israel?

Diese Frage zu beantworten müsste gerade in Zeiten akuter und massenhafter antisemitischer Übergriffe wie im Sommer 2014 besonders leicht fallen. Festhalten lässt sich, dass erst die Ausrufung Israels als jüdischer Staat eines auf Dauer verändern konnte: Die jahrtausendealte Degradierung der Juden zum hilflosen Objekt der Verfolgung. Nicht dass Antisemitismus in der Folge verschwunden wäre, aber seit 1948 können sich Jüdinnen und Juden zum ersten mal den ihnen entgegen geworfenen Vernichtungsantisemitismus mit Armee, Waffen und Staat entgegenstellen und dies zum Unmut ihrer Feinde nicht ohne Erfolg. Die Obsession der Welt mit Israel ist seit dem an Absurdität nicht zu überbieten. So verurteile die UN Frauenrechtskommission 2015 in der gemeinsam beschlossenen Resolution zur 59. Jahressitzung einzig Israel für die Verletzung von Frauenrechten, was in Anbetracht der Situation von Frauen etwa im Iran oder Saudi-Arabien wie ein schlechter Witz klingt. Kein weiterer Staat ist derart fortgesetzten Boykottkampagnen ausgesetzt und kein anderer Staat war in seiner Geschichte so häufig mit handfesten Vernichtungsbestrebungen konfrontiert wie Israel. Die jüdische Verfasstheit des Staates Israel ist dabei das, was dieses Fleckchen Erde in den Augen so vieler „Israelkritiker_innen“, wie die salonfähigen Antisemit_innen heute heißen, zur größten Gefahr für den Weltfrieden macht. Dass es bei dieser Israelkritik nicht um die Beanstandung humanitärer Missstände geht, sondern vielmehr darum Israel zu dämonisieren, lässt sich am Beispiel der palästinensischen Flüchtlinge in den umliegenden arabischen Staaten zeigen. Das besondere Interesse der Weltöffentlichkeit daran ist angesichts von deutlich schlimmeren Krisenregionen schon eigentümlich genug. Vollends abstrus wird es allerdings, wenn deren mitunter elendige Lebensbedingungen Israel angelastet werden: Sie leben in arabischen Staaten, die ihnen bewusst politische und soziale Teilhabe verweigern, um sie – mit vererbbarem Flüchtlingsstatus – als Manövriermasse gegen Israel zu instrumentalisieren.

Antizionismus nennt sich der Umweg, der versucht den Jüdinnen und Juden das Recht auf Selbstverteidigung zu entziehen, ohne sie dabei wenigstens noch beim Namen zu nennen. Richtet er sich doch „nur“ gegen die jüdische Bestrebung eines eigenen Nationalstaates, die einzige Form in der kapitalistischen Verfasstheit der Welt, die fähig ist, Schutz zu bieten.

Sich dieser Erkenntnis und seiner Ohnmacht bewusst zu sein, heißt sich bedingungslos solidarisch mit Israel zu erklären. Bedingungen zu nennen, verkennt die Alternativlosigkeit in Anbetracht der Vernichtungswünsche der AntisemitInnen. Es bedeutet nichts anderes, als Juden und Jüdinnen erneut der Verfolgung und Schutzlosigkeit ohne eigenen Staat auszusetzen. Die derzeitige massenhafte Flucht europäischer Juden und Jüdinnen vor allem aus Frankreich nach Israel belegt eine einfache Wahrheit heute aufs Neue: Der Zionismus ist berechtigt.
Dies bedeutet nicht humanitäre Missstände zu leugnen oder jeden Aspekt israelischer Regierungspolitik gut zu heißen, sondern dass die existenzielle Bedrohung von Juden und Jüdinnen der wichtigste Aspekt dieser Betrachtung sein muss.

Was macht eigentlich..? Die deutsche Linke

Die Reaktionen auf den Gazakrieg und die ansteigende (Mobilisierungs-)Aktivität von Dschihadist_innen haben gezeigt, dass auch die Linke in Deutschland kaum willens ist, ernst zu nehmen, wie offen der Antisemitismus mittlerweile auftritt, oder darin überhaupt ein Problem zu erkennen.

Antizionistische Linke in Deutschland, so etwa Teile der Linkspartei und ihrer 5 Jugendorganisation Linksjugend [‚solid] sowie antiimperialistische Gruppen, beteiligten sich im Sommer 2014 an Demonstrationen, auf denen sie und andere ihren eigenen schlecht als Antizionismus getarnten Antisemitismus zur Schau stellten und neben ihnen islamistische oder neonazistische Gruppen einen völlig unverblümten und aggressiven Antisemitismus präsentierten, der in Rufen wie „Judenschweine!“ oder „Jude, Jude, feiges Schwein, komm 10 heraus und kämpf‘ allein!“ gipfelte.3 All dies zeigt nicht einfach bloß eine Ignoranz dieser Sorte von Linken gegenüber antisemitischen Einstellungen auf, es weist vielmehr auf eine deutliche Schnittmenge mit diesen hin.

So propagierte ein kleiner Teil der Linken anlässlich des Gaza-Krieges einen derartigen Antizionismus oder verband sich auf den Straßen mit denen, die sich nicht die Mühe gaben, ihren Antisemitismus zu kaschieren. Charakteristische Reaktionen auf die islamistischen und antisemitischen Großdemonstrationen waren für den Großteil der radikalen Linken vor allem eines: Nicht-Verhalten und Schweigen. Waren öffentliche Äußerungen schon selten, so beschränkten sich Gegenaktivitäten auf einzelne, kleine Gruppen oder fanden erst gar nicht statt. Das kommt nicht von ungefähr: Der Umstand, dass Muslime in Europa von rassistischer Diskriminierung betroffen sind, führte und führt viele Linke zu der vollkommen falschen Schlussfolgerung, jede Kritik am Islamismus, am Islam als Religion oder an muslimischem Antisemitismus spiele Rechtspopulismus und Rassismus in die Hände. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Unter der Hand wird so den Rechtspopulist_innen eine adäquate Kritik, etwa des Islam, zugesprochen. Dass „Islamkritik“ á la Pegida nicht mehr als „Ausländer raus!“ meint, sollte bei genauem Hinsehen hingegen ersichtlich sein. Wenngleich Teile linker Islamismuskritik – dort etwa wo kein Unterschied zwischen Islam und Islamismus gemacht wird – ihre Schnittmengen mit rechtspopulistischer „Islamkritik“ aufweisen, ist es falsch, aus Angst sich mit dieser gemein zu machen, auf eine Islamismuskritik zu verzichten. Eine emanzipatorische Kritik des Islamismus ist gerade angesichts aller rassistischen und rechtspopulistischen Pseudokritik unverzichtbarer denn je.
Die Scheu Antisemitismus, wenn er so offen zu Tage tritt wie im Sommer 2014, auch an jenen zu kritisieren, die potenziell Opfer von Rassismus werden, spricht leider Bände über den Zustand linksradikaler Kritik.

Ablesbar ist die linke Bewusstlosigkeit auch an ihren Begriffen, beispielsweise dem der „Islamophobie“, welcher die Essenzialisierung und rassistische Abwertung von Muslimen kennzeichnen soll. Es sollte selbstverständlich sein –muss aber in einem Land, in dem Sarrazins Bücher zu Bestsellern werden durchaus immer wieder betont werden – dass der Stigmatisierung und Abwertung von Personen, die aufgrund optischer Merkmale dem Islam zugeordnet werden, entgegenzutreten ist. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, der kulturalistischen Zuschreibung wesenseigener Merkmale eine Absage zu erteilen. Der rassistischen Diskriminierung von Muslim_innen muss sich entgegengestellt werden. Der Begriff Islamophobie ist dafür allerdings ungeeignet, da er suggeriert, das Problem liege in einer Ablehnung des Islam und nicht im Rassismus gegen Muslime. Menschen sind vor Diskriminierung zu schützen, aber Religionen nicht vor Kritik!

Auch war nicht jede –grundsätzlich ja begrüßenswerte – antifaschistische Aktivität gegen den Antisemitismus der Gaza-Demonstrationen dem Anlass angemessen.4 Der Antisemitismus dieser Demonstrationen äußerte sich nicht bloß darin, für das Handeln der israelischen Regierung (etwa ihr Vorgehen gegen die Hamas) alle jüdischen Menschen verantwortlich zu machen und anzugreifen, wie mitunter behauptet wurde. Sein Einsatzpunkt lag um einiges früher: Schon die dämonisierende Verurteilung israelischer Politik hat mit der objektiven Beurteilung irgendeiner Regierungspolitik wenig zu tun, sondern dokumentiert den dahinterliegenden Antisemitismus. Die gewaltvollen Begleiterscheinungen bürgerlicher Staatlichkeit, zu beobachten an jedem modernen Staat, einzig und besonders Israel anzukreiden, offenbart die besonderen –antisemitischen –Maßstäbe einer solchen Beurteilung. Eine adäquate Kritik des antizionistischen Antisemitismus ist die Voraussetzung für eine angemessene Intervention gegen ihn und gegen die sich aus ihm ergebenden Angriffe auf Juden.

Ein ernst gemeinter Antifaschismus hat darüber hinaus insbesondere die ohnmächtige Solidarität mit Israel zur Konsequenz. Auch wenn die Sicherheit Israels dem eigenen Einfluss entzogen ist, gibt es genügend Interventionsmöglichkeiten für einen konsequenten Antifaschismus. Damit tut sich die Linke allerdings schwer: Wenn Juden in großer Zahl aus Europa nach Israel fliehen, es zu antisemitischen Großdemonstrationen kommt und eine radikale Linke dazu schweigt oder sich mit wichtigerem zu beschäftigen weiß, ist davon auszugehen, dass die Linke aus Fehlern ihrer eigenen Geschichte kaum oder gar nicht gelernt hat.

Krisensituationen befördern reaktionäres Bewusstsein verschiedenster Couleur – das gilt es nicht nur zur Kenntnis, sondern theoretisch wie praktisch ernst zu nehmen. Es ist eine Sache, an der Möglichkeit der Veränderung festzuhalten und hierfür linksradikale Kritik an den herrschenden Zuständen zu üben, etwas anderes ist es, sich nur noch mit vermeintlichen oder wirklichen „Aufbrüchen“ zu beschäftigen und die Ausbreitung von reaktionärem und antisemitischem Bewusstsein nicht weiter zu beachten: Die eigene Ohnmacht müsste den antifaschistischen Kampf gegen Islamismus und Antisemitismus in den Bereichen begründen, die noch nicht dem Einfluss einer marginalen radikalen Linken entzogen sind.

Wie ernst es ihr mit dem Kampf gegen Islamismus und Antisemitismus wirklich ist, kann die antifaschistische Linke am 10. Juli 2015 in Berlin unter Beweis stellen: Dort werden Anhänger_innen von Hamas, Hisbollah, dem iranischen Regime und andere antisemitische Protagonisten wie in den Jahren zuvor für die Vernichtung des jüdischen Staates demonstrieren –wer einen konsequenten Antifaschismus verfolgen will, ist aufgerufen, sich dem praktisch entgegenzustellen.

11.07.2015 Berlin:

11.00 Antifaschistische Demonstration Breitscheidtplatz
13.30 Kundgebung Adenauerplatz
15:00 Joachimsthaler Platz: Kundgebung

Advertisements

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Demonstration in Torgau am 25. April

Der Hauptfeind ist das eigene Land!

Es ist unfassbar: 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Deutschland eine Weltmacht. Die versäumte Umsetzung des Morgenthau-Plans konfrontiert die internationale Weltgemeinschaft in den letzten beiden Jahrzehnten mit einem wiedererstarkten Deutschland, dass aus seinen historischen »Fehlern« gelernt hat. Die militärische Option wurde weitestgehend ad acta gelegt. Stattdessen setzten die deutschen Eliten, im Windschatten des militärischen Schutzes durch die westlichen Alliierten, langfristig auf das »deutsche Wirtschaftswunder«. Das Resultat ist, dass das eigentlich besiegte Land ökonomisch gesehen – ganz im Gegensatz zu Großbritannien oder Frankreich – erstarkt aus der militärischen Niederlage hervorgegangen ist.

Dieses Vorgehensweise, leicht modifiziert, funktioniert noch bis heute. Die neuste deutsche Militärtechnologie findet man eher in den Händen von mexikanischen Sicherheitsbehörden oder arabischen Armeen, als im Depot der deutschen Bundeswehr. Wenn es in der Welt brennt, winkt Berlin gelangweilt ab und schaut erwartungsvoll über den Atlantik, zumindest gen Westen. Ob in Syrien, Irak, Jemen oder Nigeria, gegen die islamistische Barbarei sollen sich bitte andere aktiv engagieren. »Niemals wieder« bedeutet hierzulande trotz und wegen Auschwitz keinen Finger für das verfolgte Individuum krumm zu machen. Selbst dann nicht, wenn es die Tortur in seinem Heimatland sowie die anstrengende Flucht überlebt und bis vor die Haustür der Deutschen geschafft hat.

Der Wiederaufbau und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile, dass so genannte »Nation Building«, sind dagegen Deutschlands absolutes Steckenpferd. Deswegen reüssiert das Land auf der Weltbühne. Im internationalen Kampf um Rohstoffe, Marktanteile und Handelswege will die deutsche Wirtschaft langfristig vorne mitspielen. Das Image als Friedensmacht ist dabei für die Geschäfte nicht unerheblich. In knallharter Konkurrenz zu den USA, verkauften deutschen Firmen Komponenten zur Herstellung von Giftgas an jegliche »Schurkenstaaten«. Etwas Werbung in eigener Sache kann da nicht schaden. So tanzt der sozialdemokratische Wirtschaftsminister bereitwillig nach der Pfeife arabischer Emire und nicht nur in China fällt die Frage nach den grundlegendsten Menschenrechte unter den Verhandlungstisch. Im Kampf um den Exportweltmeistertitel ist dem Subjekt Staatskapital fast jedes Mittel Recht. Auch ein fauler Kompromiss im »Atom-Streit« mit dem Iran.

#stickthefingertogermany

Weder die Reeducation, noch der verordnete Antifaschismus haben nachhaltig etwas in diesem Land bewirkt. Wie rudimentär das Demokratieverständnis der deutschen Bevölkerung ist, offenbart sich immer dann am deutlichsten, wenn in einem anderen Land eine Partei die demokratischen Wahlen gewinnt, dessen politisches Programm den nationalen Interessen, beziehungsweise deutschen Befindlichkeiten, widerstrebt. Das trifft derzeit auf die neue Regierung in Athen zu, ebenso wie jene in Jerusalem. Während im deutschen Blätterwald dann reklamiert, protestiert und randaliert wird, bekunden auf dem diplomatischen Parkett die Deutschen ihre große Besorgnis über die zukünftige Entwicklung. An klugen Ratschlägen und harten Bandagen mangelt es dabei nicht. Nichts desto trotz, sondern gerade weil man zwei Weltkriege angezettelt hat. Vom Holocaust ganz zu Schweigen.

Der Vergangenheitsbewältigungsweltmeister ist derart dreist, dass berechtigte Forderungen nach Entschädigungen und Reparationszahlungen jahrzehntelang negiert und zum Teil bis heute noch nicht geleistet wurden. Die derzeitige Bundesregierung behauptet allen Ernstes, weil bisher noch kein Friedensvertrag unterzeichnet sei, müsse man z.B. die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Griechenland nicht leisten. Währenddessen ist Adolf Hitler ein weltweiter Exportschlager, als Marke mindestens genauso bekannt wie Coca-Cola, das Holocaust-Mahnmal in Berlin eine beliebte touristische Vergnügungsstätte und bald eines der beliebtesten Bücher dieses Landes, nein der Welt, wieder legal im Handel erhältlich: »Mein Kampf«.

Das ökonomische Erfolgsmodell Deutschland beruht auf einem autoritären Korporatismus, der u.a. für die notwendige Flexibilität der hierzulande angestellten Arbeitskraftbehälter sorgt. Nullrunden als gemeinschaftlicher Akt zur Rettung von Arbeitsplätzen, dank Überidentifizierung mit der eigenen Firma oder »freiwillige«, unentgeltliche Überstunden, wenn es mal nicht so gut im Betrieb läuft, sind für den deutschen Arbeiter selbstverständlich. Kleinere Gewerkschaften müssen hierzulande um ihre Existenz bangen, weil sie es gewagt hatten, ihr verbrieftes Recht auf einen legalen Arbeitskampf in Anspruch zu nehmen und den deutschen Volkszorn zu oft hervorriefen. Nicht zu vergessen, der rundum erneuerte Reichsarbeitsdienst, besser bekannt unter dem Namen »Ein-Euro-Job«.

Angela Merkel gefällt das.

Die neue Sehnsucht der deutschen Volksgemeinschaft nach den guten alten Zeiten findet ebenfalls in der modernen Form der nationalsozialistischen Familienpolitik, wonach Frauen an Heim und Herd gehören, sowie unzählige Kinder für die Volksgemeinschaft gebären sollen, wie dem »Müttergeld«, seinen Ausdruck. In Berlin-Mitte ist dieser »Backlash« daran zu erkennen, dass längst als ausgestorben geltende Vornamen auf einmal wieder in Mode kommen. Der dazugehörige Kinderwagen von Oma ist ein »must-have«, weil ohne Plastik, nicht aus Amerika und immer noch gut in Schuss. Gefüttert wird das Balg natürlich mit Lebensmittel ohne Gentechnik. Ein arischer Bub, braucht keine amerikanischen Bohnen. Die Ablehnung des Freihandelsabkommens TTIP bekommt man nicht nur in solchen Kiezen mit der Muttermilch indoktriniert.

Im Fernsehen bedauert die ganzen Nation die Opfer des zweiten Weltkrieges, wozu für sie zweifelsohne beinahe alle Deutschen gehören. Die Tatsache, dass eine rechtsterroristische Vereinigung, ungestört, zehn Jahre lang im Land morden konnte, ist den meisten Mitgliedern dieses erbarmungslosen Rackets dagegen völlig egal. Nationalsozialisten sind bzw. waren immer die Anderen. Grauenvolle Schmonzetten wie »Unsere Väter, unsere Mütter«, in denen „die keuschen, opferbereiten Arier, der Leutnant und die Krankenschwester, die Helden der Geschichte“ (New York Times – Chefkritiker B.O. Scott) sind, erreichen selbstverständlich hohe Einschaltquoten. Quacksalber wie Guido Knopp, gelten nicht nur im wissenschaftlichen Betrieb als ernstzunehmende Historiker. Und der Umstand, dass der ehemalige Wehrmachtssoldat Helmut Schmidt oder das ehemalige SS-Mitglied Günther Grass als große Intellektuelle dieses Landes gelten, erregt ebenso keinen öffentlichen Widerspruch.

Opposition in solchen Zeiten gleicht der Arbeit von Sysiphus. Die Lage ist verzweifelt, beinahe ausweglos. Allein die Erinnerung daran, dass Nazi-Deutschland letztendlich dennoch militärisch besiegt wurde, ist heute noch im deutschen Kollektivbewußtsein eine unvergessene Schmach. In diese Wunde wollen wir etwas Salz streuen. Also raus auf die Straße. Auf nach Torgau! Feiern wir am Elbe-Day, an dem Tag als die sowjetischen und amerikanischen Soldaten das erste Mal aufeinandertrafen, die Besetzung von Deutschland.

Im Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus.
Deutschland in den Rücken fallen!

/////////// Achtet auf weitere Ankündigungen. ///////////

/// 70years.blogsport.eu /// twitter.com/ADAktionBerlin ///


Zur Demonstration rufen auf:

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB]
Antifa Task Force [ATF] Jena
association [belle vie] Hannover
BAK Shalom der Linksjugend [’solid]
Freundeskreis der Dialektik Rostock
Gesellschaftskritische Odyssee Halle

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Der „Islamische Staat“, Syrien und der kurdische Widerstand.

Podiumsdiskussion im Peter-Weiss-Haus, Rostock, am 05. März 2015, 19.00
Referenten: Thomas von der Osten-Sacken, Danyal und Felix Riedel, im Rahmen des PolDo.

Der „Islamische Staat“, Syrien und der kurdische Widerstand.

Als 2011 auch in Syrien Hunderttausende auf die Straße gingen und unter Einsatz ihres Lebens für Reformen und Demokratisierung demonstrierten, antwortete das syrische Regime in der einzigen Sprache, die es perfekt beherrscht: Gewalt. Es ließ friedliche und später militante Demonstrationen zusammenschießen, zehntausende verschwanden in Folterkellern.. Unterstützt von seinen engen Verbündeten, dem Iran und Russland, gelang es Assad, den Protest in einen blutigen Bürgerkrieg zu verwandeln. Der Islamische Staat war anfangs sogar ein willkommener Akteur in dieser Tragödie, richtete sich sein Terror doch gegen die selben Feinde, die auch das Regime bekämpfte: jene Syrerinnen und Syrer, die für eine bessere Zukunft in einem pluralistischen und demokratischen Land stritten.
Organisationen wie Al Qaida und der Islamische Staat sind Ausdruck der tiefen Krise, in der sich die ganze Region befindet.

Ohne einen tiefgreifenden Wandel in der Region, ohne „regime change“ in Ländern wie dem Iran oder Saudi Arabien, wird es keine Aussicht auf Besserung geben. Es gilt, endlich die Forderungen derjenigen, die in Teheran, Tunis, Damaskus und Kairo auf die Straße gingen, um ein Ende von Diktatur und Unterdrückung zu fordern, ernstzunehmen. Die Zählebigkeit der islamistischen Bewegungen und die Absenz von strategischer Intelligenz auf Seiten des Westens erzeugt failed states, Bloodlands für den Krieg zwischen Sunna und Shia.

Unsere Podiumsdiskussion wird den Islamischen Staat aus der irakischen/humanitären, der kurdischen/militärischen und der westlichen/psychologischen Perspektive beleuchten.

Danyal, freier Journalist, u.a. für Konkret, und Betreiber des Blogs „Cosmoproletarian Solidarity“ wird zweierlei betrachten: Zum einen den islamistischen Rollback, beginnend mit der schiitischen Variante des Islamischen Staates, dem Iran Khomeinis, der für ihn eine faschistische Krisenreaktion darstellt.
Zum anderen wird er die widersprüchlichen Interessen der regionalen Akteure beleuchten, ohne jene Kräfte zu übergehen, die sich gegen die islamistische Aggression selbstorganisiert verteidigen.

Felix Riedel, Ethnologe und Autor des Blogs „Nichtidentisches“ wird die Tiefenpsychologie des IS skizzieren. Im Zentrum steht dabei deren dialektischer Widerpart, die Agonie und Äquidistanz aktueller bürgerlicher Ideologie im Westen, die den IS erst möglich machte. Wo kein Gegenprojekt der Moderne sich auch als konsequentes etabliert, wo Philosophie den Augenblick ihrer Verwirklichung immer noch gründlicher versäumt, gedeihen historisch faschistische Rituale und Regressionen nicht in historische Stadien, sondern hinter individualpsychologische Reifungsschritte.

Thomas von der Osten-Sacken, Geschäftsführer der seit über zwanzig Jahren im Nahen Osten tätigen Hilfsorganisation WADI e. V., wird schließlich über die Lage vor Ort und die jüngsten Entwicklungen im Irak und Syrien berichten.

Im Anschluss an dieser Inputs wird noch genügend Zeit für Diskussionen sein.

—————————————————————————————

Veranstaltende Gruppen sind der “Freundeskreis der Dialektik” (HRO), “Hochschulgruppe kritisch-dialektische Politikwissenschaft” (HRO) und “Contre la tristesse” (HRO). Mit freundlicher Unterstützung vom AStA der Universität Rostock.

1 Comment

Filed under Uncategorized

Von Lust & Gefahr, sich im Anderen zu verlieren

Vortrag in der Ulmenstr. 69, Haus 3,Raum 125, Rostock, am 14.03. 2015, 19.00 Uhr
Referentin: Micha Böhme

Von Lust & Gefahr, sich im Anderen zu verlieren
Ein Vortrag über die regressive Wiederkunft des Riechens im Antisemitismus

Ein Element des Antisemitismus ist das Zurückschlagen der unterjochten Natur, wenn sich nicht auf die Folgen des Zivilisationsprozesses besonnen wird. Derjenige Wahrnehmungssinn, der uns am stärksten mit der tierischen Natur verbindet, ist der Riechsinn. Er ist nicht nur der evolutionär gesehen älteste Wahrnehmungssinn überhaupt, er ist zugleich auch derjenige, dessen Effekte auf die Stimmung und sogar auf Gedanken und Erinnerungen sich zumeist einer bewussten Kontrolle durch das Subjekt entziehen. Und das, obgleich der Mensch (nebst seiner engsten tierischen Verwandten) zumindest von seiner Naturanlage her eine relative Freiheit gegenüber durch Gerüchen ausgelösten stereotypen Verhaltensregulierung aufweist, die in der übrigen Tierwelt das soziale Miteinander von Wesen einer Art determinierend regeln. Nicht Pheromone steuern menschliches Zusammenleben. Wie wird diese naturbedingte Unbedingtheit genutzt?

Horkheimer und Adorno verfassen mit der Dialektik der Aufklärung eine kritische Geschichte menschlicher Zivilisation. Während Aufklärung Glück für alle bringen sollte, strahlt die Erde mit dem Sieg der Aufklärung im „triumphalen Unheil“. Alles was an Natur und Tier im Menschen gemahnt war der Aufklärung verdächtig. Die kalte Sonne der Vernunft sollte über der Menschheit strahlen. Das Sinnliche wurde unterworfen und reglementiert – insbesondere das Sehen der Vernunft unterworfen. Wie verhält sich dazu nun das Riechen? Spricht Kant in der Kritik der reinen Vernunft von der Schematisierung und Kategorisierung des Sinnlichen hin zu vernünftiger Erkenntnis, so ist dabei wohl kaum an Gerüche zu denken – auch widersprechen sie ohnehin dem kantischen Postulat der Schematisierung des Sinnlichen in Raum und Zeit schon vor der kategorialen Verarbeitung. Dass das Subjekt, um identisch zu sein, das Naturhafte austilgte, dürfte sich sich in besonderer Weise am Riechen darlegen lassen. Vor diesem Hintergrund wäre die Dialektik der Aufklärung im Fokus des Riechens zu lesen. Das betrifft auch die Konzeption einer möglichen Befreiung der Menschheit von Herrschaft und Ausbeutung. In diesem Sinne sprechen Horkheimer und Adorno von der Notwendigkeit eines „Eingedenkens der Natur im Subjekt“. Der Mensch soll Subjekt sein können, ohne seine Natur, ohne seine Triebe unterdrücken zu müssen.

Anhand einer Interpretation der Irrfahrt des Odysseus auf dem ägäischen Meere beschreiben Horkheimer und Adorno die Konfrontation des werdenden Subjekts mit den Gewalten und Verlockungen der Natur. Die Gefährten des Odysseus werden in Hausschweine verwandelt, weil sie nicht Mannes genug waren, den Verlockungen des Sinnlichen zu widerstehen. Das mit seiner Nase im Schlamm wühlende Schwein ist nun allerdings Sinnbild des riechenden Wesens. Es muss eine Sehnsucht nach dem unreglementierten Schnüffeln geben, das sich die zivilisierten Menschen versagen müssen.

Am Ende ihres Siegeszugs durch die Geschichte der Menschheit schlägt die Aufklärung in Mythologie zurück. Im Faschismus werden die unterdrückten Gelüste der Menschheit wieder zugelassen. Aber im Dienste der Herrschaft. Und das trifft nun in besonders starkem Ausmaß das Riechen. Am deutschen Antisemitismus wird die kulturhistorische Bedeutung des Riechens in drastischer Weise offenbar. Die Antisemiten erlauben sich das verpönte Riechen – allerdings um es vollends auszumerzen. Das Riechen, einst zu Zwecken der Unterdrückung verdrängt, wird wieder zugelassen im Dienste der Unterdrückung. Den Juden wird unterstellt, das zu tun, was sich die „zivilisierten“ Menschen stets und ständig zu versagen haben: nach Herzenslust zu schnüffeln. Die Antisemiten imitieren das Schnüffeln der Juden und betätigen sich selbst als Schnüffelnde um die angeblich stinkenden Juden aufzuspüren. Auch aktuelle antizionistische Karikaturen „spielen“ mit dem Stereotyp vom aktiv schnüffelnden oder passiv riechenden Juden. Dabei wird die auf Ausschaltung des Riechens gegründete Herrschaft ein weiteres Mal zementiert. An dem Punkt, an dem diese Herrschaft nicht mehr nötig wäre, wird sie mit Gewalt zusammen- und aufrechterhalten.

Micha Böhme ist Theoretikerin und lebt und arbeitet in Leipzig. Die Verbindung von Psychoanalyse und kritischer Theorie der Gesellschaft gehört zu ihren Arbeitsschwerpunkten.

—————————————————————————————

Veranstaltende Gruppen sind der “Freundeskreis der Dialektik” (HRO) und die “Hochschulgruppe kritisch-dialektische Politikwissenschaft” (HRO)

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Veranstaltung in Erfurt: Hamas – der stete Kampf des Rackets

Der Genosse Alexander Will vom “Freundeskreis der Dialektik” wurde von der Erfurter DIG dazu eingeladen, am 28.11.2014 gemeinsam mit Simon Pohl über die Hamas als Racket zu referieren:

Hamas – der stete Kampf des Rackets

Als diesen Juni drei israelische Jugendliche von höchstwahrscheinlich der Hamas zuzuordnenden Terroristen entführt und ermordet worden sind, ist jene Terrorbande wieder stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Gleichzeitig wiederholt sich das altbekannte Spiel: Die Hamas terrorisiert die israelische Bevölkerung mit Raketenhagel und die Öffentlichkeit schweigt. Wenn sich nun Israel durch diese Angriffe genötigt sieht, im Gazastreifen gegen die Hamas vorzugehen, empört sich die Weltöffentlichkeit über die erneute „Eskalation der Gewalt“. Es wird zwar auch „Kritik“ am Vorgehen der Hamas geäußert, doch nur bis zum Rückzug Israels. Erneute Angriffe der Hamas bleiben dann weitgehend ignoriert. Dieser Ignoranz gegenüber der Hamas als brandgefährliches, antisemitisches Racket liegt auch eine Unwissenheit über diese Terrorbande zu Grunde. Unter Bezugnahme auf die Kritische Theorie soll daher im ersten Teil der Veranstaltung anhand der Analyse von Geschichte, Struktur und Ideologie der Hamas dieser Unwissenheit zumindest partiell entgegengewirkt werden.Der zweite Teil wird sich mit dem Werdegang der Hamas auseinandersetzen. Gezeigt wird anhand bedeutender Ereignisse, die die Berg- und Talfahrt der Hamas bezeichnen, dass die von ihr ungebrochen ausgehende Bedrohung, nicht unterschätzt werden darf.

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Kleinen Synagoge.

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Ankündigungen für den 11./12. 10. 2014

Update: Die Veranstaltungen zum Thema: “Die Veranstaltungen zum Thema: “Neue Musik” mit Martin Dornis verschieben sich um einen Tag. Die Termine in diesem Post wurden aktualisiert.

Vortrag, am 11.​10.​2014
Beginn: 20 Uhr
Ort: Uni Rostock. Universitäts-Campus Ulmenstraße 69, Haus 1, SR 126
Referent: Martin Dornis

Musik als Gesellschaftskritik

 Durch die Reflexion über ein musikalisches Werk kann Hören überhaupt als menschliches Verhältnis und seine Gewohnheiten als menschlich Gemachte, als Moment gesellschaftlicher Praxis begriffen werden. Ist das Hören als Produkt gesellschaftlicher Naturgeschichte menschlich gemacht und veränderbar, dann könnte eine Kritik der Musik durch Musik verdeutlichen, dass alles menschlich Gemachte durch handelnde Menschen veränderbar ist und somit die Chance einer menschlich eingerichteten Gesellschaft in sich bergen. Vielleicht die letzte.

Im Vortrag wird daher versucht werden, anhand ausgewählter Musikstücke die Frage zu beantworten, inwieweit sich Musik als Gesellschaftskritik eignet und ob sich daraus eine Überwindung falscher Verhältnisse ableiten lässt. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der sogenannten “Neuen Musik” liegen.

FB-Event

Ta­ges­se­mi­nar, am 12.​10.​2014 
Beginn: 13.00 Uhr
Ort: Universitäts-Campus Ulmenstraße 69, Haus 1, SR 126
Referent: Martin Dornis

Musik als letzte Chance? Die Neue Musik und ihre Gesellschaftskritik.

Das Seminar behandelt die Frage, inwieweit Neue Musik (im Gegensatz zur alten?) zur Kritik des Subjekts beitragen kann.

Unter “Neuer Musik” wird hier die der sogenannten freien Tonalität der Schönbergschule (neben Schönberg selbst sind hier in erster Linie Alban Berg und Anton Webern, weiterhin namentlich Hanns Eisler zu nennen) und ihrer Nachfolger (etwa Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono oder Pierre Boulez) verstanden. Der moderne Komponist Matthias Spahlinger begreift diese als bewusste Reflexion auf musikalische Konventionen: als Abstossungsbewegung. Ihr Programm ist das negative Verhalten zur Tradition. Nicht sollte durch sie ein neues Paradigma in die Welt  gesetzt, als vielmehr jegliches in Frage  gestellt werden. Diese Kritik besteht am Allerwenigsten darin, sich der musikalischen Tradition (etwa: Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard Wagner oder Gustav Mahler) zu verweigern, sondern vielmehr gerade darin, sich mit ihr zu konfrontieren. Dadurch wird sie zu einem Versuch des Aneignens der Menschheitsgeschichte in tönender Form.

Durch diese Reflexion hindurch ist das  Hören überhaupt als Verhältnis und seine Gewohnheiten als produzierte, als Moment gesellschaftlicher Praxis zu begreifen werden. Als Produkt gesellschaftlicher Naturgeschichte und bisher naturhaft verlaufender Menschheitsgeschichte kenntlich gemacht, kann in der Musik alles Gemachte als veränderbar  und somit die Möglichkeit aufgezeigt werden, Gesellschaft vernünftig einzurichteten: Vielleicht die einzige, die verblieben ist.

FB-Event

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Vier Thesen gegen den Common Sense

Im Folgenden dokumentieren wir einen Flyertext unserer Freunde von der Association Anti-Allemande Berlin (AA:B).

Insbesondere wollen wir in diesem Zusammenhang unsere Solidarität gegenüber der AA:B bekunden. Jene wurden aus dem „Antifaschistischen Berliner Bündnis gegen den Al Quds-Tag“ ausgeschlossen. (Dazu mehr hier: https://www.facebook.com/lassociation.berlin/posts/666738766733808 )

 

Vier Thesen gegen den Common Sense

1. These: Gegen den linken Common Sense

Über den Al-Quds-Tag zu reden und in erster Linie damit zu mobilisieren, dass sich deutsche Nationalisten und die paranoischen Wahnsinnigen der Montagsmahnwachen dafür begeistern können, ist nicht nur kontraintuitiv, sondern gewissermaßen geradezu verlogen. Zu sehr schweigt sich eine solche Position darüber aus, dass es eben nicht deutschnationale Kräfte sind, die das Gros der Al-Quds-Demo-Teilnehmer ausmachen, sondern Islamisten und Muslime jedweder Couleur. Wer sich daran stört, dass dies einmal in aller Klarheit ausgesprochen wird, dessen antifaschistische Arbeit ist schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil er sich konsequent vor einer adäquaten Analyse der Wirklichkeit drückt: dass die Trennung zwischen Islam und Islamismus im Mindesten durchlässig ist, in der Causa Israel aber häufiger schlicht nicht existiert, ist schlechterdings eine Tatsache.

Wer in Anbetracht dieser Tatsache noch immer darauf insistiert, der Al-Quds-Tag würde nur von Islamisten, nicht aber von Muslimen besucht, täuscht sich und andere. Richtig ist: Nicht alle Muslime besuchen oder unterstützen den Al-Quds-Tag. Richtig ist aber auch, dass der Gegenwartsislam in den allermeisten seiner Ausprägungen dem jüdischen Staat lieber heute als morgen an den Kragen will. Der Islam verhält sich zum Islamismus wie der harmlose Patriotismus zum Nationalismus: dass Antifaschisten, die bei jeder WM-Fahne eine Wiederkehr des NS wittern, dies nicht sehen wollen, ist im Mindesten sträfliche Fahrlässigkeit.

Es ist vor diesem Hintergrund – so traurig das für engagierte Kulturwissenschaftler oder Historikerinnen sein mag – schlechterdings uninteressant, dass die islamische Welt in der Vergangenheit die Aufklärung förderte und einige der maßgeblichsten Errungenschaften der Zivilisation für sich verbuchen kann: dies taugt einzig als Beweis für die Banalität, dass es keine Essenz des Islam gibt, die bis in alle Ewigkeiten unverändert bleiben muss. Der Beweis allerdings, dass die gnadenlose Regression des Islam zu einer barbarischen Herrschaftsideologie umkehrbar wäre, müsste zunächst geführt werden. Dies ist nicht die Sache der Antifaschisten, sondern die der Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit derzeit solche Probleme lieber verleugnen, als sie zu adressieren oder zu kritisieren.

Sache der Antifaschisten dieser Tage muss etwas anderes sein, das in den letzten Wochen schmerzlich offensichtlich wurde: eine rückhaltlose, unmissverständliche Kritik der skrupellosen Gewalt, die ein ums andere Mal aus den Reihen antiisraelischer Demonstrationen ausging und die sich nicht schämt, überall in Europa Synagogen zu beschmieren, in Brand zu setzen oder zu belagern. Sache der Antifaschisten hat es zu sein, zu adressieren, dass weder die Entstehung von Boko Haram, noch die Entstehung von ISIS/ISIL im luftleeren Raum geschahen, sondern ihre Wurzeln in den sogenannten moderaten muslimischen Gesellschaften liegen, die sich in ihrem Hass auf Israel und den Westen häufig eher graduell als substantiell von ihren mörderischen Wiedergängern unterscheiden. Um unmissverständlich zu sein: Freilich liebt man auch in diesen Gesellschaften die Geister, die man rief keinesfalls, man sieht sich nur ebenso unfähig, das Übel an der Wurzel zu packen – was bedeuten würde, mit liebgewonnenen Traditionen und Identitäten zu brechen.

2. These: Gegen den rechten Common Sense

Wer sich aber nun einbildet, in irgendeiner Form durch Einwanderungspolitiken oder rassistische Propaganda dieses Problem angehen zu können, der ist nicht nur Menschenfeind, sondern täuscht sich noch fataler als seine linken Gegner. Schließlich ist es nicht nur eine Tatsache, dass der Islam immer anziehender auf autochthone und Pass- Deutsche wirkt, sondern zudem ein Fakt, dass die antisemitische Hetze der islamischen Propaganda nicht nur Deutschland und Europa selbst entspringt, sondern zudem ein ums andere Mal in diesen Breiten willige und verständnisvolle Hörer findet, die die verschiedenen Arten des Jihad nur allzu gern mit Geldern und ideologischer Schützenhilfe ausstatten.

Von dieser Banalität einmal abgesehen, bleibt festzuhalten, dass diejenigen, die unter den autoritären Strukturen der muslimischen Welt leiden, in erster Linie die Muslime selbst sind. So sehr sie im Einzelnen es auch vermeiden mögen, das Kind mit dem Bade auszuschütten und ihre Religion aufzugeben, so deutlich begegnen ihnen doch im Alltag all die Restriktionen: ungezählt diejenigen, die ihre Homosexualität verleugnen, die Frauen, die sich nach Freiheit sehnen, die Pauperisierten, die sich nach dem westlichen Leben sehnen. Wer den Islam kritisiert, hat sich ihrer zu erinnern und ihnen allen Schutz zu bieten, der sich bieten lässt: eine Öffnung der Grenzen für die syrischen Flüchtlinge, für die iranischen Dissidenten, für überhaupt jeden, der der Hölle entkommen will, zu dem die Mullahs und Islamisten den Nahen Osten werden ließen, wäre das Mindeste, wofür man sich als zivilisierter Mensch einzusetzen hätte.

Soll sich niemand darüber hinwegtäuschen, dass die Islamisierung der Levante nicht zufällig anschloss an ihre Kolonisierung – und soll niemand behaupten, die neue Barbarei sei Resultat ‘rassischer’ Konstanten oder eines mittelmeerischen Temperaments. Schließlich waren es deutsche Nationalsozialisten und italienische Faschisten, die die reaktionärsten Kräfte der Region über Jahre hinweg mit Rat und Tat unterstützten und förderten.

Bis heute handelt Deutschland mit dem Iran und ist einer der wichtigsten Technologieexporteure, bis heute schämt man sich nicht, die saudischen Financiers ungezählter Terrorgruppen als strategische Partner zu verharmlosen und dennoch tut man so, als trüge man keine Verantwortung für die Menschenmassen, die man vor Lampedusa ersaufen oder in deutschen Abschiebeknästen versauern lässt. Wer sich einbildet, er könne gegen den Islam demonstrieren und mit Israel solidarisch sein, ohne über die Hochzeit aus Faschismus und Islam zu sprechen, wer glaubt, er könne den Islam kritisieren ohne zugleich die Muslime, Muslimas und vor allem die Ex-Muslime vor seinen Exzessen schützen zu wollen, der rationalisiert einzig und allein seinen Rassismus und steht mithin nicht etwa für eine bessere Alternative, sondern liefert das westlich-säkulare Komplement zu genau jenen Scheußlichkeiten, die er angeblich so sehr hasst.

3. These: Gegen den deutschen Common Sense

Was also heißt es, gegen den Al-Quds-Tag auf der Straße zu sein und was sollte es heißen? Mit einiger Sicherheit ist damit nicht das folgenlose Bekenntnis gemeint, man stehe für das Existenzrecht Israels ein, wie es die deutsche Staatsraison fordert. Genauso wenig ist damit ein plumpes Bekenntnis gegen Extremismus ausgesprochen: es geht viel mehr um eine konkrete Solidarität mit dem jüdischen Staat und den Juden hier in Europa. Gegen den Al-Quds-Tag auf der Straße zu sein, das bedeutet den jüdischen Schutzraum anzuerkennen und die Maßnahmen, die er zu seiner Verteidigung trifft, zu unterstützen, indem man der europäischen Dämonisierung und diplomatischen wie journalistischen Isolierung Israels entschieden entgegentritt. Es ist nicht möglich, einerseits gegen die brennenden Synagogen zu sein und andererseits die Auffassung zu vertreten, die israelische Notwehr gegen den Raketenterror der Hamas sei ungerechtfertigt oder überzogen. Der erste Fall illustriert nur, was im letzteren Fall geschähe, wenn das israelische Militär sich nicht mit aller Gewalt gegen seine Todfeinde im Iran, Gaza und anderswo zur Wehr setzte.

Die deutsche Friedenssehnsucht, die beizeiten in Gestalt alternder SS-Schützen sich mockiert, dass Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährde, ist nicht zu retten. Sie täuscht sich beständig über die Tatsache hinweg, dass es diesen Weltfrieden weder gibt, noch in antagonistisch organisierten Gesellschaften geben kann. In letzter Konsequenz, so zeigt die Empirie, nicht zuletzt anhand der derzeitigen Montagsdemonstrationen, ist sie in aller Regel ohnehin nur die mäßige Rationalisierung der eigenen Ressentiments gegen Juden, die USA und den Westen. Für Antifaschisten gilt es, sich ein für alle Mal vom Gedanken zu verabschieden, sie könnten eine Friedensbewegung ohne Aluhüte bekommen. Der Frieden, der hier gemeint ist, ist stets identisch mit einem Frieden mit den Unterdrückern. Der Krieg ist in der Welt und wer die Niederlegung der Waffen fordert, der fordert den Erhalt des ancien régime. Weder Hamas, noch die Islamische Republik Iran, noch Assad, noch der “Islamische Staat” sind mit Argumenten, Diskurs und Verhandlungen zu überzeugen. Sämtliche der genannten agieren weit unter dem Niveau von Kritik und Diskussion und müssen mit Waffengewalt niedergezwungen werden. Dies steht so felsenfest, dass es nicht mehr Teil der Debatte sein darf, ob das zu geschehen habe, sondern einzig und alleine Wie.

Und so sehr es den Deutschen, die bekanntermaßen seit 1945 überzeugte Pazifisten sind, an dieser Stelle in den Fingern juckt, zu erwidern, es sei sehr einfach dergleichen aus gemütlichen Studierstuben zu behaupten und man ignoriere die furchtbaren Realitäten eines Krieges, so deutlich muss diesen Kathederpazifisten entgegengehalten werden, es habe seinen guten Grund, dass die Friedensbewegungen der Vergangenheit mehr als einmal vor Militanz nicht zurückschreckten. Es muss jedem, ohne jede Ausnahme, ein für alle Mal eingebläut werden, dass die Existenz oder Nichtexistenz eines Krieges sich nicht über die eigene Involviertheit in das Kampfgeschehen bestimmt. Die Syrer leiden bereits heute. Der Staat ist zerrissen, das Regime setzt chemische Waffen gegen die Bevölkerung ein, marodierende, islamistische Banden zerfetzen die Hoffnung an eine brauchbare Opposition. In Gaza leiden die Menschen bereits jetzt unter den Beschüssen, die die Hamas ein ums andere Mal provoziert, in Israel leben Millionen von Menschen in ständiger Angst vor dem Raketenhagel der palästinensischen Volksbefreier oder der Hisbollah. Der Iran werkelt an der Bombe und destabilisiert die Region, während eine Gewaltwelle neuer Qualität sich in Gestalt von ISIL durch die Levante wälzt. In diesem Klima den Frieden zu fordern heißt, den Unterdrückern das Feld zu überlassen.

4. These: Gegen den antideutschen Common Sense

Gegen diese Grabesruhe zu opponieren kann dabei nicht heißen, ein ums andere Mal die westliche Welt als einen möglichen Retter der arabischen Welt zu beschwören. Die vergangenen Jahre unter Obama haben gezeigt, dass die USA entweder nicht länger in der Lage oder aber nicht mehr willens sind, sich in der Region in dem Maße zu engagieren, das notwendig wäre, um in Syrien oder anderswo einen signifikanten Umschwung zu erzeugen. Dass kommunistische Agitation – also Agitation in einem Sinne, dessen hauptsächliches Anliegen es ist, jeden Zustand umzustürzen, in dem der Mensch ein geknechtetes, ein verächtliches, ein einsames Wesen ist, sich zeitweilig darauf stützen konnte, mit den Vereinigten Staaten und der Achse der Willigen zu kooperieren, war ebenso eine temporäre Episode wie die Zeit, in der kommunistische Kräfte kritiklos mit den Linken paktieren konnten. Da weder diese noch jene Seite in absehbarer Zeit zur Vernunft kommen werden, bleibt nur, die eigenen Kräfte und Einflussmöglichkeiten neu zu evaluieren und dementsprechend zu agieren. In aller Klarheit: Die militärische Verteidigung Israels wird von der IDF übernommen, deutsche Antifaschisten müssen und werden nicht in der arabischen Welt kämpfen – dementsprechend wäre es das Mindeste, aufzuhören sich so zu benehmen, als sei dies demnächst zu erwarten. Wer dieser Tage etwas tun möchte, der hat bis auf weiteres in seiner Reichweite zu agieren: das heißt einerseits, die islamistischen Hetzer beim Namen zu nennen, andererseits aufzuzeigen inwieweit die deutsche Journaille von Süddeutsche über Spiegel bis hin zu den Tagesthemen ihnen in die Hände spielt. Antifaschismus anno 2014 kann nur bedeuten, Zustände zu verunmöglichen in denen die Polizei ihre Funkwagen für “Allahu Akbar”- Rufer zur Verfügung stellt und in denen Querfronten aus Linken, Rechten und anderen schizoiden Paranoikern aus unerfindlichen Gründen noch immer als satisfaktionsfähig gelten. Es heißt notwendig, die mühsame Arbeit auf sich zu nehmen nach Bündnispartnern in den betroffenen Regionen zu suchen und die wenigen zu stützen und zu schützen, die sich gegen den dortigen Konsens stellen: dabei ist es egal, ob diese Hilfe in Form von Asyl in Deutschland, Spenden oder schlicht Verbreitung ihrer Positionen geschieht. In Zeiten, in denen nicht mehr darauf gezählt werden kann, dass das transatlantische Bündnis irgendeine Restvernunft hervorbringt, gilt es für Antifaschisten, die Profiteure und Organisateure des antijüdischen Terrors und die Stimmungsmacher der deutschen Gesellschaft zu denunzieren und zu attackieren: Krieg den deutschen Zuständen, das heißt Krieg den Stiftungen, ob sie nun Böll, Adenauer oder Wissenschaft und Politik heißen, das heißt Krieg den Friedenshetzern in den Redaktionsstuben in München und anderswo, das heißt Krieg den Universitäten mit all jenen Friedensforschungsclustern, die im Vierteljahresturnus herausfinden, dass die Juden unser Unglück sind.

Association Antiallemande:Berlin (anti.blogsport.de)

Leave a comment

Filed under Uncategorized